Petershauser Hof Frickingen

Der Petershauser Hof in Frickingen ist eines der frühesten Exemplare eines Eindachhofes im Bodenseeraum. Auf Grund einer dendrochronometrischen Untersuchung konnte die Fachwerkkonstruktion auf das Jahr 1591 datiert werden. Von der ursprünglichen Bausubstanz sind wesentliche Teile erhalten geblieben, darunter auch eine Bohlenstube mit Bretterbalkendecke. Dagegen wurden in den Fassaden nur noch Rudimente des Sichtfachwerks aus dem 16. Jahrhunderts gefunden. Das Haus wurde mehrfach erheblich umgebaut und vergrößert. In der Überlagerung der bauhistorischen Schichten spiegelt sich die wechselvolle Geschichte.

Nach der Sanierung bleiben im Innenraum Bauteile aus allen Umbauphasen der letzten vier Jahrhunderte sichtbar. Da der Wirtschaftsteil nur in den Sommermonaten genutzt wird, konnte der eindrucksvolle, offene Dachstuhl der Tenne mit Biberschwanz-Einfachdeckung erhalten werden. Innenseitig sind die handgestrichenen Ziegel und die Schindel-Splinte sichtbar. Die Außenansicht wurde auf der Basis von Holzwerk-, Farb- und Putzbefunden einheitlich auf eine Phase um die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückgeführt. Aus dieser Zeit stammen auch die originalen Fenster, Läden und Leibungen. Ziel der Sanierung war ein in sich geschlossenes Erscheinungsbild des historischen Raumeindrucks und der Konstruktion. Reparaturhölzer und Prothesen sind dem Bestand angepasst und erst auf den zweiten Blick als neu erkennbar.

Die neuen, für die Museumsnutzung und für die Präsentation der Exponate erforderlichen Einbauten sind vorwiegend aus Holzwerkstoffplatten und Industriehölzern gefertigt. Der Materialkanon des Neuen fügt sich in die Materialität und das Farbspektrum des Historischen und bleibt doch als Zeitzeugnis sichtbar.

Vom 16. bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war der Petershauser Hof landwirtschaftlich genutzt. Durch die Renovierung konnte das herausragende Baudenkmal nicht nur erhalten, sondern auch einer sinnvollen, zeitgemäßen Nutzung für die ganze Gemeinde zugeführt werden, durch die sein Bestand auch für die ferne Zukunft sicher gestellt werden kann. Entstanden ist ein Multifunktionsbau mit Kindergartenräumen im Erdgeschoss und Vereinsräumen in den Kammern im Obergeschoss des Wohnteils. Stall und Tenne bilden den räumliche Rahmen für das neue Bodensee-Obstmuseum und für einen Veranstaltungsraum mit Bewirtungsmöglichkeit und Kleinkunstbühne.

Bauherr

Gemeinde Frickingen

Projektdaten

1997 Wettbewerb
2003 Baubeginn
2004 Fertigstellung

Mitarbeiter

Matthias Rottenburger

Fotograf

Wolfram Janzer, Stuttgart